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100 Jahre Firma Paul Edelhoff, Iserlohn

Es war ein bescheidener Anfang, als im Jahre 1910 der Kaufmann Paul Edelhoff mit finanzieller Unterstützung seiner Ehefrau Hermine, geb. Giese, seinen kleinen Fertigungsbetrieb in gemieteten Räumen an der heutigen Brausestrasse einrichtete. Neben Herdbeschlägen wurden noch vielerlei Artikel für die Innendekoration hergestellt. Die unermüdliche Schaffenskraft des Firmengründers, sein fachmännisches Wissen und seine praktischen Kenntnisse trugen zur schnellen Aufwärtsentwicklung des Unternehmens bei.

Schon 1916 reichten die vorhandenen Räumlichkeiten nicht mehr aus - der Betrieb musste erweitert werden. Dazu bot sich die günstige Gelegenheit, am Gerlingser Weg, damals noch vor den Toren der Stadt Iserlohn in der Gemarkung Oestrich gelegen. Dort konnte eine ehemalige Reithalle erworben und zu einer grösseren Fabrikhalle umgebaut werden. Die gesamte Fertigung wurde dorthin verlegt. Gleichzeitig ermöglichten neue Maschinen eine bedeutende Steigerung der Produktion und die Erweiterung des Fertigungsprogramms.

Der unglückliche Ausgang des 1. Weltkriegs und die darauf folgenden politisch und wirtschaftlich unruhigen Zeiten wirkten sich auch auf das junge Unternehmen wenig vorteilhaft aus. Täglich gab es neue Schwierigkeiten: das Material zur Aufrechterhaltung der Fertigung war nur schwer zu beschaffen, die steigende Geldentwertung machte jede weiterreichende Planung und Disposition unmöglich; die Firma musste eine Zeitlang buchstäblich „von der Hand in den Mund“ leben.

Umsicht und Energie des Inhabers und seine guten persönlichen Kontakte zu Kunden und Lieferanten liessen ihn diese harte Bewährungsprobe bestehen. Mit der Besserung der wirtschaftlichen Lage gegen Ende der zwanziger Jahre wuchs auch wieder der Bedarf seitens der Kundschaft. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, entschloss sich Paul Edelhoff, sich auf die Fertigung von Herd- und Ofenbeschlägen zu spezialisieren. Hierfür war die Nachfrage gross, und es standen entsprechende Maschinen und Werkzeuge zur Verfügung. Moderne Walzen, Pressen und Biegemaschinen ermöglichten die Herstellung von Herdgalerien, Eckleisten und Profilschienen in grösseren Mengen.

Dank dieser Aufwärtsentwicklung reichten schon bald die nur gerade vor zehn Jahren bezogenen Betriebsräume nicht mehr aus. In den Jahren 1927 und 1928 wurden die Anlagen durch grössere Anbauten und Umgestaltungen erweitert. 1930 kam ein geschmackvoller Vorbau hinzu, der die Fabrikhallen zum Gerlingser Weg hin abrundete: Im Parterre fanden die Büroräume Platz, im Obergeschoss bezog der Firmeninhaber seine Wohnung.

Die positive Entwicklung setzte sich fort, auch wenn die Weltwirtschaftskrise der dreissiger Jahre mancherlei Schwierigkeiten bereitete. Durch intensive Reisetätigkeit zu seinen Kunden, die hauptsächlich im Sieg-, Lahn- und Dillkreis zu Hause waren, gelang es ihm immer wieder, Aufträge hereinzuholen.

1937 wurde jedoch im Zeichen der Autarkiebestrebungen des Deutschen Reiches die Herstellung von Nickelbeschlägen verboten. Austauschstoffe, wie Eisen und Aluminium, boten keinen befriedigenden Ersatz. Im 2. Weltkrieg war die Firma Paul Edelhoff, wie die meisten Betriebe Deutschlands, gezwungen, kriegswichtige Artikel herzustellen.
Paul Edelhoff hatte das Glück in beschränktem Umfang weiterhin Herd- und Ofenbeschläge herstellen zu können. Dadurch blieb der Kontakt zu den alten Geschäftsfreunden aufrecht erhalten, und die Mitarbeiter konnten ihre Fertigkeit in der Produktion der Beschläge weiterhin anwenden.

Obwohl die Betriebsanlagen von den Kriegseinwirkungen so gut wie gar nicht in Mitleidenschaft gezogen waren, dauerte es nach 1945 doch einige Zeit, bis seitens der Britischen Militärverwaltung die Betriebsbewilligung erlangt wurde und die frühere Produktion – wenn auch mit Einschränkungen - wieder anlaufen konnte. Es fehlte vor allem an dem notwendigen Fertigungsmaterial sowie an Strom und Brennstoff. Aber auch wichtige Ersatzteile und Hilfsstoffe waren kaum zu beschaffen. Um den Mitarbeitern ihr Einkommen zu sichern, wurde das aus der Kriegszeit noch vorhandene Material jetzt zu einfachen Gegenständen des Haushaltsbedarfs (z.B. Kerzenleuchter aus Stahlrohrstücken) verarbeitet. Durch geschicktes Handeln der Geschäftsleitung, vor allem durch Ausnützung der damals weit verbreiteten Tauschwirtschaft, gelang es, die ursprüngliche Produktion wieder in Gang zu bringen. So bekamen die Kunden die Beschläge notgedrungen nur geliefert, wenn sie neben der fast wertlos gewordenen Reichsmark aus ihrer Produktion Herde oder Öfen gleichsam in Zahlung gaben. Die Herde und Öfen wurden dann seitens der Firma ihren Lieferanten in Zahlung gegeben oder an die Mitarbeiter abgegeben, damit sich diese damit etwa bei Bauern Nahrungsmittel beschaffen konnten.

1948 begann mit der Währungsreform (Ablösung der Reichsmark durch die Deutsche Mark und Einführung der Marktwirtschaft) auch für Paul Edelhoff eine neue Epoche. Das neue Geld hatte nun wieder Kaufkraft, Kontingentierungen und sonstige Beschränkungen fielen weg. Durch den Wiederaufbau der kriegszerstörten Häuser und den Wunsch nach Deckung eines fast 10-jährigen kriegsbedingten Nachholbedarfs gab es in Deutschland eine unerwartet starke Nachfrage der Bevölkerung nach neuen Gebrauchsgütern aller Art. Dadurch kam es auch in der Heiz- und Kochgeräte-Industrie in diesen Jahren des „Wirtschaftswunders“ zu einem raschen Aufschwung. Als Nickel wieder zu bekommen war, kam schlagartig der Wunsch nach Nickelbeschlägen für Herde und Öfen auf. Davon profitierte auch die Firma Paul Edelhoff. Es mussten kurzfristig in erheblichen Umfang Überstunden gefahren und mittelfristig die Anlagen erweitert werden, um den Kundenwünschen gerecht zu werden.

Dem Firmengründer Paul Edelhoff war es nicht vergönnt, das 50-jährige Jubiläum seines Unternehmens mitzuerleben. Er starb am 26. Januar 1952. Die Leitung der Firma, die als Kommanditgesellschaft weitergeführt wurde, übernahmen am 1. April 1952 sein Schwiegersohn, der Kaufmann Gustav Rodeck, und sein Sohn, der Ingenieur Kurt Edelhoff, als verantwortliche Komplementäre. Beide waren seit 1933 bzw. 1943 im Betrieb tätig und mit dem Geschäftsgang gut vertraut.

Ab den fünfziger Jahren vollzog sich auf vielen Gebieten der Gebrauchsgüter-Industrie einer starker Wandel. Die Menschen legten immer grösseren Wert auf die geschmackvolle Ausstattung ihrer Wohnung. Zu einem behaglichen Heim gehörten auch ein ansprechender Ofen und ein stilvoller Herd. Die Industrie verstand es, sich diesen Wünschen anzupassen – und auch neuen Bedarf zu wecken. Die Firma Paul Edelhoff stellte sich ebenfalls darauf ein und beschaffte moderne Maschinen für Fertigung und Werkzeugbau. Aber nicht nur der Maschinenpark wurde auf einen hohen technischen Stand gebracht, auch dem Ausbau der Fabrikgebäude wurde grosse Beachtung geschenkt. Dazu zählten eine fast staubfreie Schleiferei, eine vorbildliche Verladerampe, eine selbst für schwere Lastzüge durchfahrbare Lagerhalle und die im Jubiläumsjahr 1960 fertiggestellte Halle für den Werkzeugbau. 1963 wurden die Hallen um eine Walzerei ergänzt. Die Erweiterung erfolgte also immer schrittweise – entsprechend dem Bedarf und den vorhandenen Finanzmitteln.

Aber nicht nur in Maschinen und Gebäude wurde investiert. Neue Sozialräume (Waschanlagen, Toiletten, Umkleideräume) trugen zur Hebung der Arbeitszufriedenheit bei. Sein soziales Engagement hatte das Unternehmen übrigens schon im Jahre 1943 bewiesen, als angesichts der allgemein recht tiefen Renten und Taggelder die „Gefolgschafts-Unterstützungskasse der Firma Paul Edelhoff“ ins Leben gerufen wurde. Mit ihrer Hilfe konnte Mitarbeitern in Not- und Krankheitsfällen oder nach Erreichen der Altersgrenze finanziell geholfen werden. Durch die starke Ausweitung der staatlichen Sozialversicherungen hat diese Einrichtung allerdings in den letzten Jahren an Bedeutung verloren.

1970 trat Ingenieur Jürgen Rodeck die Nachfolge seines im selben Jahr verstorbenen Vaters an. Er setzte die Modernisierung des Unternehmens im Einklang mit den sich ständigen Erfordernissen am Markt konsequent fort. Dazu zählten 1972 der Um- und Anbeu der Verwaltung genau so wie der Bau einer Lackieranlage. Ein wichtiger Schritt zur Ausweitung des Fertigungsprozesses waren der Zukauf des Eloxierbetriebes Küpper in Iserlohn im Jahre 1976 und der Bau einer Pulverdurchlaufbeschichtungs-Anlage im Jahre 1981.

Denn die Anfertigung von Herdgalerien und Eckleisten war zu diesem Zeitpunkt längst in den Hintergrund gerückt, weil moderne Herde diese Zierstücke nicht mehr trugen. Und die kohlebefeuerten Zimmeröfen waren schon seit längerer Zeit nicht mehr in Mode. Kunststoffbeschichtungen waren nunmehr im Küchenbereich gefragt. Dem wurde 1992 durch den Aufbau einer zweiten Pulverbeschichtungsanlage Rechnung getragen. Ausserdem erfolgten der Neubau der Stanzerei (1989) und des Rohmateriallagers (1992). Der Aufbau der CNC-Fertigung mittels computergesteuerten Verarbeitungszentren ab 2000 bildete einen weiteren Meilenstein in der Firmengeschichte. Diese Investitionen dienten nicht nur der Fertigung neuer Produkte, sondern auch der Rationalisierung, um die stark gestiegenen Arbeitskosten aufzufangen und am Absatzmarkt konkurrenzfähig zu bleiben.

Im Jahre 1986 setzte sich Kurt Edelhoff zur Ruhe und übergab das Zepter an seine Tochter, Kauffrau Gabriele Lipp-Edelhoff. Diese setzte die Familientradition zusammen mit Jürgen Rodeck fort. Als dieser im Jahre 2004 starb, trat dessen Sohn, der Diplom-Ingenieur Harald Rodeck, die Nachfolge an. Kurt Edelhoff verstarb leider im Jubiläumsjahr 2010.

Auch im Jahr des stolzen 100-jährigen Firmenjubiläums 2010 wird weiter investiert. Zu erwähnen sind die Roboteranlagen zum Schleifen und Bürsten der Artikel. Neben der mechanischen Bearbeitung hat die Firma Paul Edelhoff immer grossen Wert auf die Oberflächenbearbeitung des Materials im eigenen Hause gelegt.

Hauptprodukte sind gegenwärtig Beschläge aus Aluminium, Edelstahl und Messing für die „weisse Ware“, sprich Griffe, Leisten und Gitter für Herde, Kühlschränke, Geschirrspüler und Waschmaschinen. Die Produktion von Abdeckgittern und Blenden für Heizkörperverkleidungen, die in den 80er und 90er-Jahren zum Kerngeschäft zählten, spielen hingegen mittlerweile eine untergeordnete Rolle.

Merkmal der heutigen Produktion ist die enge Zusammenarbeit mit den Kunden bei der Konstruktion und Fertigung; jeder Kunde erhält seine eigenen „massgeschneiderten“ Artikel und mit ihm werden gemeinsame Lösungen erarbeitet. Ein unentbehrliches Mittel dafür ist der moderne Werkzeugbau, in dem die erarbeiteten Lösungen in die entsprechenden Fertigungswerkzege umgesetzt werden. Viel Zeit und Geld wird in die Qualitätssicherung gesteckt. Ohne entsprechende Zertifikate lassen sich heute kaum noch Artikel an die weltbekannten Hersteller von „weisser Ware“ absetzen. Absatzgebiete sind neben Deutschland vor allem die Schweiz, Österreich und Spanien.

5500 Quadratmeter Produktionsfläche stehen mittlerweile am Hauptsitz Gerlingser Weg und weitere 1000 Quadratmeter in der Altstadt zur Verfügung. Mindestens ebenso wichtig wie ein funktionierender und moderner Maschinenpark sind gute, einsatzfreudige Mitarbeiter – aktuell rund 60 an der Zahl. Etliche von ihnen halten dem Unternehmen schon seit vielen Jahren die Treue und haben damit großen Anteil an der erfolgreichen Firmengeschichte.

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